Ganz so weit ist es noch nicht: Trotz seiner auf eine äußerst unausgewogene Ernährung zurückzuführenden Gesundheitsprobleme kommt der beliebte Kommissar aus Schweden auch in dem neuesten Roman von Henning Mankell »Die Brandmauer«, der gerade auf Deutsch erschienen ist, nicht auf die Idee, sich zukünftig vegan zu ernähren - und damit auch noch den Tieren einen Dienst zu erweisen. Nichtsdestotrotz hat die vegane Idee Einzug in die Wallander-Krimis gehalten: In Form von zwei Toten. Gleich zu Beginn taucht die Leiche von Tynnes Falk auf, der sich wie wir im Laufe der Handlung erfahren ebenso wie ein später ermordeter Freund, für die Rechte der Tiere eingesetzt und vegan ernährt hat. Die Frage, warum die beiden sterben mussten, zieht sich durch den gesamten Roman und ist für Wallander einer der Schlüssel zur Lösung seines neuen, mittlerweile achten Falls.
Dieses - für die Handlung zugegebenerweise eher nebensächliches - Auftreten von Veganern und Tierrechtlern mag zunächst unspektakulär wirken, zeigt aber zumindest, dass die wachsende Anzahl von Menschen, die sich für eine vegane Ernährung entscheiden, in steigendem Maße wahrgenommen werden und so inzwischen auch in der Unterhaltungsliteratur vorkommen. Dabei ist der neue Krimi um Kurt Wallander übrigens keine Ausnahme: Bereits 1999 charakterisierte sich eine der Hauptpersonen in dem von der Kritik hoch gelobten Film Limbo (deutsch: »Wenn der Nebel sich lichtet«) unter anderem dadurch, dass sie sich vegan ernährte. Und sicher ließen sich viele weitere Beispiele dafür finden, dass sich die vegane Idee auch auf diesem Weg verbreitet.
Stephan Weber
01. November 2001