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Buchbesprechung:
»Vegane Köstlichkeiten aus der chinesischen Küche«

• Das zweite vegane Kochbuch von Suzanne Barkawitz
Das Angebot an veganen Kochbüchern wächst stetig und wird nun auch durch ein Werk zur chinesischen Küche ergänzt. Weil wir die Autorin und den Pala-Verlag bereits durch eines der besten veganen Kochbücher (»Vegan genießen«) kennen, begannen wir die Lektüre mit der Hoffnung auf einen neuen großen Wurf.


• Was steht drin?
Die chinesische Küche hat Tradition, einige tausend Jahre Tradition. Und so geht es in diesem Buch nicht sofort zur Sache, sondern erst einmal sehr ausführlich um die Grundlagen.

Suzanne Barkawitz erklärt zunächst kurz die Rolle des Vegetarismus und Veganismus in China und geht dann auf die Prinzipien der Fünf-Elemente-Lehre ein. Sie wurde Legenden zufolge rund 2.600 Jahre vor unserer Zeitrechnung vom »Gelben Kaiser« begründet und beschreibt den Kreislauf von fünf Elementen - Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Sie findet diese Teilung in anderen Bereichen der Natur und des menschlichen Lebens wieder, beispielsweise in der Staatsorganisation, aber insbesondere auch im menschlichen Körper und den Nahrungsmitteln.
So wird dem Metallelement die Lunge zugeordnet, die dem direkten Kontakt mit der Außenwelt ausgesetzt ist. Der zugeordnete Geschmack des Metallelements ist scharf. Ähnliche Analogien gelten für Holz, Leber und den sauren Geschmack; Feuer, Herz und den bitteren Geschmack; Milz, Erde und den süßen Geschmack sowie Wasser, Nieren und die salzige Geschmacksrichtung. Konzepte wie Yin und Yang, die Lebensenergie Qi, die den fünf Elementen angelehnten Ernährungs- und Kontrollzyklen sowie die Lehre der verschiedenen »Wirkrichtungen« der Lebensmittel tragen zu dem ganzheitlichen Bild bei, das die chinesische Tradition sich von der Ernährung des Menschen gemacht hat.

Die Nahrungsmittel lassen sich nach solchen Kategorien einteilen und können so zu Gerichten mit gewünschten Eigenschaften oder Geschmacksrichtungen kombiniert werden. Grundsätzlich strebt die chinesische Küche den Ausgleich dieser Tendenzen an, sie möchte Extreme vermeiden und durch Kombinationen eine gleichmäßige Versorgung des Körpers erreichen.

Nach solchen ausführlichen Erläuterungen geht das Buch ab Seite 63 zum praktischen Teil über. Vor dem eigentlichen Rezeptteil erhalten die Leser dabei auf rund 20 Seiten Einblick in Besonderheiten wie die traditionellen chinesischen Küchengeräte, spezielle Zutaten oder die Zubereitungsweisen einzelner Gemüse. Ob man diese Dinge bei Bedarf im Supermarkt, im Asia-Shop oder dem Reformhaus erhält, wird ebenfalls angegeben.

Der Hauptteil des Buches widmet sich auf 140 Seiten 123 Rezepten. Sie sind eingeteilt in die Bereiche Suppen, Gemüse, Getreidegerichte, Tofugerichte, Süßigkeiten und Gebäck sowie Saucen.

Hier einige Beispiele aus der Fülle interessanter Gerichte:

  • Suppe »Fünf Kostbarkeiten« mit Austernpilzen, Bambussprossen, Möhren, Ingwer..

  • Pak Choi »Flug des Drachens«

  • Gebratener Salat »japanische Art« mit Bataviasalat, Sesam, Zwiebeln..

  • »Duftendes Champignongemüse« mit Grünkern und Kokosmilch

  • Süß-saurer Reis »Fünf Farben« mit Ananas, Tofu, Buchweizen, Möhren, Pilzen..

  • »Grünkernklößchen in Orangensauce«

  • »Herbstrolle«, ein Teigtaschengericht mit Tofu, Grünkern und Gemüse

  • »Tomaten-Tofu«

  • »Scharf-saurer Tofu«

  • »Neujahrs-Konfekt«

  • »Orangensauce«


    Auf originelle Art wurde das Problem gelöst, was unter einer »Portion« zu verstehen ist. Statt Personenangaben verwendet das Buch eine Kennzeichnung mit Reisschalen-Symbolen. Eine »Reisschale« umfasst rund 200 Milliliter, und bei jedem Gericht ist die Anzahl der resultierenden »Reisschalen« angegeben. So kann man einfach überlegen, wie viel man essen möchte, die gewünschten »Reisschalen« aufaddieren und dann die Zutatenmengen ermitteln.


    • Kritik
    Am Anfang müssen Sie ein wenig tapfer sein. Hier berichtet Suzanne Barkawitz in ihren »Worten vorab« nämlich ausführlich darüber, wie sie zur chinesischen Lehre gefunden hat und womit sie sich derzeit beschäftigt. Doch möchten Sie wirklich wissen, welche privaten Wandlungsphasen sie erlebt hat, wie sie ihre Freizeit mit chinesischen Zeitungen und »Acht Brokaten« füllt oder dass es im Sinologie-Unterricht von Wang Wei nicht an Lektionen in Kultur, Philosophie usw. aus dem Land der Mitte fehlt?

    Wenn Sie das hinter sich gelassen oder einfach überschlagen haben, können Sie sich aber auf ein wunderbares Kochbuch freuen. Die anfangs etwas langatmige philosophische Einführung gewinnt schnell an Fahrt und spätestens bei der Beschreibung der chinesischen Lehre über die Nahrungsmittel und ihre Wirkung auf den Körper wird der Text perfekt.

    Die Rezepte sind sehr gut gelungen. Wir hatten sowohl bei Zubereitung als auch beim Verspeisen des »duftenden Champignongemüses«, des »roten Schmortopfs«, oder der »süß-sauren Klebreisklößchen« große Freude. Die Zubereitungsanweisungen sind knapp, sachlich und freundlich und geleiten so sicher zum Essvergnügen, ohne dass man sich zuvor intensiv mit den umfangreichen Einleitungskapiteln beschäftigen muss.

    Die schönen Illustrationen einer chinesischen Künstlerin und die vom Pala-Verlag gewohnte qualitätvolle Ausführung des gebundenen Buches auf hochwertigem Recyclingpapier tragen ihren Teil zu einem sehr guten Eindruck bei.


    • Fazit
    Mit diesem Buch werden Sie bereits durch die Rezepte und Zubereitungshinweise schnell und einfach in die vegane chinesische Küche eingeführt. Und wenn Sie sich ein wenig Zeit für die umfangreichen einleitenden Kapitel nehmen, können Sie interessante Einsichten in den traditionellen Hintergrund der chinesischen Küche erhalten.
    Sehr empfehlenswert!


    Matthias Boller


    Suzanne Barkawitz
    Vegane Köstlichkeiten
    aus der chinesischen Küche

    Gebundene Ausgabe - 222 Seiten
    Pala Verlag, 1999
    Preis: 15,80 Euro
    ISBN 3-89566-144-9

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    • Rezeptbeispiel
    Aus diesem Buch finden Sie in unser
    Bibliothek ein Rezeptbeispiel: Duftendes Champignongemüse
     
     



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