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Buchbesprechung:
»Vegane Ernährung«

• »Vegane Bibel« von Gill Langley
Vegan muss gesund sein. Das könnte man meinen, wenn man die lange Reihe der Skandale rund um Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier betrachtet.

Doch die Marketinganstrengungen von Fleischindustrie und Milchwirtschaft vefehlen nicht ihre Wirkung. Noch immer pflegen viele Menschen Vorurteile gegenüber einer veganen Lebensweise. Dies kann sich nur durch ein ausreichendes Informationsangebot ändern. Einen großen Beitrag zu solch einer Aufklärung könnte die deutsche Übersetzung einer umfangreichen Literaturauswertung der britischen Wissenschaftlerin Dr. Gill Langley leisten.

Ihr Buch erschien zuerst 1988 und fasste erstmals die wissenschaftlichen Untersuchungen zur veganen Ernährung zusammen. 1995 wurde es stark erweitert. Es genießt in der »vegan community« großes Ansehen und wird bisweilen als »vegane Bibel« bezeichnet.


• Was steht drin?
Nach einem Vorwort von Timothy Key, Krebsforscher an der Universität Oxford, geht die Autorin in einer kurzen Einleitung auf grundlegende Gesichtspunkte wie z.B. die Motivation für eine vegane Lebensweise oder die geschätzte Zahl vegan lebender Menschen ein. Als potentielle Leser sieht sie natürlich insbesondere praktizierende oder angehende Veganer, die ihre Ernährungsweise auf eine fundierte Basis stellen möchten. Doch ihr Buch ist ausdrücklich auch für »Profis« wie Ärzte und Diätassistenten gedacht.

Im Hauptteil analysiert Gill Langley auf rund 220 Seiten die wissenschaftliche Literatur über alle Aspekte der veganen Ernährung und deren Einfluss auf Gesundheit und Lebenserwartung. Sie stellt die Resultate der Studien anhand kurzer Inhaltsangaben vor und bewertet kritisch die Ergebnisse der verschiedenen Forschungsansätze.

Das Buch besteht aus folgenden Kapiteln:

  • Protein und Energie
  • Kohlenhydrate
  • Fette
  • Vitamine
  • Mineralstoffe
  • Vegane Mütter und Kinder
  • Milch und Gesundheit
  • Die allgemeine Gesundheit vegan lebender Menschen
  • Vegane Ernährung als Therapie

    Jedes Kapitel ist in Unterabschnitte aufgeteilt, die jeweils mit einer Kurzzusammenfassung abgeschlossen werden. Die Kapitel selbst enthalten einen Schlusskommentar sowie ausführliche Quellenangaben.

    Das Fazit des Buches könnte so lauten: Veganer, die ihre Ernährung mit einem Grad an Besonnenheit betreiben, der für jeden Menschen bei der Auswahl seiner Nahrungsmittel angemessen wäre, haben keine gesundheitlichen Probleme zu befürchten. Gill Langley: »Mit gelegentlichen Ausnahmen hinsichtlich B12 gibt es keine Belege dafür, dass sich bei Veganern leichter irgendein Nährstoffdefizit einstellt als bei Allesessern.« Veganer können sich sogar über einige positive Auswirkungen ihrer Lebensweise freuen. Neben einem geringeren Körpergewicht und einem niedrigerem Cholesterinspiel zählt hierzu auch ein wahrscheinlich besserer Schutz vor einigen Krebsarten und Herzkrankheiten. Bei älteren Veganern scheint auch das Risiko, an Osteoporose zu erkranken, geringer zu sein als bei Allesessern.


    • Kritik
    Gill Langley verwendet in ihrem Buch wissenschaftliche Fachbegriffe (bis auf wenige Ausnahmen) so dosiert, dass Laien die Sachlage verstehen und nachvollziehen und Fachleute durch die Kurzschilderungen und umfangreichen Literaturangaben die Argumentation prüfen können. Mögliche Problembereiche der veganen Ernährung werden ebenso deutlich angesprochen wie die zahlreichen positiven Aspekte, und so gewinnt die Darstellung ihre Glaubwürdigkeit.

    Die strikte Strukturierung des Buches geht so weit, dass einzelne Sachverhalte mehrfach in verschiedenen Zusammenhängen erläutert werden. Bei der Lektüre des Buches in einem Durchgang trifft man so wiederholt auf »The Farm, eine vegane Lebensgemeinschaft im amerikanischen Tennessee« oder den Schweizer Säugling, der aufgrund einer Ernährung mit selbstgemachter dünner Mandelmilch für einen Großteil der Zeitungsmeldungen und populären Vorurteile über vegan ernährte Kinder gesorgt zu haben scheint. Doch man nimmt die Wiederholungen gerne in Kauf, denn wer Informationen zu einem speziellen Thema sucht, kann sich so auf eine abgerundete und nachvollziehbare Darstellung verlassen.

    Ein Problem liegt im Erscheinungstermin des englischen Buches, denn die Übersetzung basiert auf dem Stand dieser Originalausgabe. Angesichts der Fülle des zusammengetragenen wissenschaftlichen Materials ist zwar der mit Abstand größte Teil der verfügbaren Informationen enthalten, doch die Forschungsergebnisse seit 1995 bleiben unberücksichtigt. Mit einer kurzen Recherche in der medinzinschen Datenbank Medline haben wir uns einen Überblick über die Entwicklung seitdem gemacht. Revolutionäre Neuigkeiten scheint es nicht zu geben.

    Den englischen Blickwinkel des Buches behalten die Übersetzer durch eine bis auf wenige Anmerkungen originalgetreue Übersetzung bei. Der Grad der Einbeziehung deutscher Richtwerte in die überwiegend englischen und amerikanischen Angaben zu empfohlenen Tagesrationen von Nährstoffen schwankt innerhalb des Buches deutlich. Hier ging den Übersetzern offenbar teils die Lust auf intensivere Recherchen aus. Doch die Unterschiede zwischen der englischen bzw. amerikanischen und der deutschen Situation sind sicher nicht allzu bedeutend.

    Es folgen drei Beispiele interessanter Aspekte aus dem Buch:

  • Der Intelligenzquotient von veganen Kindern war bei den bisherigen Messungen deutlich höher als im Durchschnitt. Entsprechend sind die Kinder ihren nichtveganen Kameraden in der geistigen Entwicklung weit voraus. Ob dies an dem höhren Bildungsgrad der veganen Eltern liegt oder mit der Ernährung selbst zu tun hat, ist allerdings noch nicht geklärt.

  • Die frühere abwertende Einschätzung der Qualität pflanzlichen Proteins im Vergleich zu tierischen Produkten basierte auf Tierversuchen, nämlich der Fütterung junger Ratten. Die Bedürfnisse der Versuchstiere unterscheiden sich jedoch von denen der Menschen, und so erwies sich wieder einmal der Tierversuch als ungeeignete Methode. Die Weltgesundheitsorganisation schaffte 1991 den Proteintest nach jahrzehntelangem Einsatz ab, da er als Instrument zur Qualitätsbeurteilung von Eiweißen für die menschliche Ernährung ungeeignet sei.

  • Tempeh wird traditionell ein hoher B12-Gehalt zugeschrieben. Neuere Analysemethoden ergaben, dass es (sofern kein B12 zugesetzt wird) praktisch kein aktives B12 enthält.


    • Fazit
    Das erste deutschsprachige Buch über die medizinischen Aspekte der veganen Ernährung basiert auf umfangreichen Recherchen und vermittelt so den nötigen Rückhalt für eine Entscheidung zur veganen Lebensweise. Es geht kompetent und sachlich sowohl auf die zahlreichen Vorteile als auch auf mögliche Problembereiche ein. Uneingeschränkt empfehlenswert.

    Matthias Boller


    Gill Langley
    Vegane Ernährung
    Taschenbuch - 240 Seiten
    Echo Verlag, 1999
    Preis: 11,30 Euro
    ISBN 3-926914-33-5

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    • Weitere Informationen
    Vorwort von Timothy Key, Universität Oxford
    Kurzüberblick zur Entwicklung seit Abschluß des Buches
     
     



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